Im Gespräch mit yd² young dentists-Gründer Dr. Norbert Grosse: „Der Berufsstart ist heute sehr viel schwieriger“

Dr. Norbert Grosse

Die Bedürfnisse von jungen Zahnärztinnen und Zahnärzten sind beim Freien Verband Deutscher Zahnärzte (FVDZ) ein großes Thema. Schließlich stoßen die neuen, noch unerfahrenen Kollegen nach der Uni auf bislang unbekannte Probleme und Besonderheiten im Praxisalltag. Deshalb hat der FVDZ zusammen mit der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) 2007 die Initiative yd² young dentists  gegründet. Wir sprachen mit dem Initiator Dr. Norbert Grosse.

DFZ: Herr Grosse, Sie haben vor sechs Jahren die Initiative yd² young dentists mit gegründet. Es war Ihre Idee. Wieso brauchen junge Zahnärztinnen und Zahnärzte, die gerade ins Berufsleben einsteigen, eine besondere Aufmerksamkeit?

Grosse: Im Vergleich zu meiner Zeit ist der Berufsstart heute sehr viel schwerer. Die Möglichkeiten der Berufsausübung sind vielfältiger, zum Beispiel gab es nicht die Möglichkeit eines angestellten Zahnarztes oder größere Gemeinschaftspraxen mit Spezialisierung der Partner. Die Konkurrenzsituation ist heute deutlich angespannter, und die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind schwieriger. Da braucht man Orientierung, und Hilfe kann nicht schaden.

DFZ: Was bietet young dentists denn alles an?

Der Freie Verband bringt sein Know-how seitens der Praxisökonomie, der Berufspolitik und seiner Kongresse ein - die DGZMK die wissenschaftliche Fortbildung der APW. Zu vielen Veranstaltungen haben young dentists freien Eintritt oder deutlich günstigere Teilnahmegebühren. Darüber hinaus gibt es beitragsfreie Mitgliedschaften für Studenten und reduzierte Beiträge für Assistenten. Man kann hier gar nicht alles aufzählen. Ich empfehle den Blick auf unsere Internetseite www.young-dentists.de und gleich die Registrierung - dann bleibt man auf dem Laufenden.

DFZ: Welches ist überhaupt die Zielgruppe. Gibt es eine Altersgrenze?

Wir wollen auf niemanden "zielen", sondern wünschen uns, dass die Teilnehmer von sich aus die Vorteile erkennen und mitmachen. Deshalb gibt es auch relativ wenig Werbung. Derzeit haben wir 1481 registrierte Mitglieder, davon 434 Studenten, 760 Assistenten und 287 Praxisgründer. Eine gute Mischung, wie ich finde. Die Mitgliedschaft und die Vorteile sollen aber nach drei bis vier Jahren nach dem Examen enden.

DFZ: Warum sollte ein junger Zahnarzt teilnehmen?

Ein junger Zahnarzt ist bei den zwei Organisationen generell gut aufgehoben. Er kann viele Vorteile in Anspruch nehmen und findet die Möglichkeit des Austauschs mit seinen Kolleginnen und Kollegen.

DFZ: Beim jüngsten „young dentists meeting“, das zweimal im Jahr stattfindet, waren wieder sehr viele „Wiederholungstäter“ dabei. Wie kommt das? Sind es die Inhalte, oder ist es die besondere Atmosphäre unter jungen Leuten?

Unsere Auswertungen der Tagung sagen: "Beides". Der Tagungsort und der Rahmen vor Ort sind sehr preisgünstig und bieten ideale Bedingungen zur Geselligkeit und zum Austausch untereinander. Die Beurteilungen sind dementsprechend, und Zweidrittel der Teilnehmer kommen immer wieder.
Wir bieten einen Nachmittag interessante Themen der Praxisführung (Betriebswirtschaft, Abrechnung, Recht, Kommunikation) und einen Tag ein fachliches Thema - diesmal war es wieder einmal die Endodontologie mit integrierten praktischen Übungen. Dazu suchen wir interessante Referenten aus, die vom Alter her zu den jungen Leuten passen.

DFZ: Ein Blick in die Zukunft: Wo sieht sich die Initiative in fünf Jahren? Gibt es Ihrer Ansicht nach etwas zu verbessern oder zu verändern?

Es gibt immer etwas zu verbessern und wir wollen aus den Erfahrungen und Wünschen unserer Teilnehmer lernen. Ein kleiner Beirat aus den Mitgliedern gibt uns den Weg vor. Ich glaube, dass wir mit den heutigen Möglichkeiten des Internets die Vernetzung untereinander verbessern können und die Möglichkeiten der Wissensakquise auch "online" bieten sollten. Man möchte Probleme heute direkt und überall lösen und nicht immer auf Kongresse und Seminare warten. Daran arbeiten wir.

DFZ: Sie haben ja schon sehr lange Berufserfahrungen. Was würden Sie persönlich jungen Kollegen raten, die gerade in die Praxis starten?

Ich glaube, dass das erste und beste Fundament eine sehr gute fachliche Ausbildung ist. Wie und wo ich dann den Beruf ausüben möchte, hängt von meiner Risikobereitschaft und von meinen familiären Ambitionen ab - hier gibt es große Unterschiede und verschiedene dazu passende Möglichkeiten der Berufsausübung. Der Ort, an dem ich mein Leben verbringen möchte, ist auch ein gewichtiger Faktor. Ich persönlich habe in Praxispartnerschaften mit Spezialisierungen der Partner gearbeitet und würde das auch heute noch so machen. Aus heutiger Sicht hätte ich aber vielleicht nach dem Examen noch länger an der Hochschule bleiben und auch mehr Auslandsaufenthalte absolvieren sollen - Chancen, die man später nicht mehr bekommt.

Die Fragen stellte: Melanie Fügner